Wie kann man Glück beeinflussen?

Schule in den Ferien, freiwillig?

 

Diese mit Entsetzen untermalte Frage war eine übliche Reaktion, als ich meinen MItmenschen von der Schülerakademie erzählt habe.

 

Die Schülerakademie ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Stifterverband gefördertes „außerschulisches Programm zur Förderung besonders leistungsfähiger und motivierter SchülerInnen der gymnasialen Oberstufe“ (www.deutsche-schuelerakademie.de). Zwei Wochen arbeiteten SchülerInnen aus ganz Deutschland gemeinsam an einem komplexen Thema und teilten unterschiedliche Gedanken und Lösungsansätze. Viel Interesse und Motivation mussten mitgebracht werden, denn die Akademie begann schon zwei Monate vorher, als jedem KursteilnehmerInnen ein individuelles Referatsthema zugeteilt wurde. Auf Basis von englischsprachiger, wissenschaftlicher Fachliteratur bereitete jeder Teilnehmer im Vorfeld ein 20-minütiges Referat vor. Mein Fokus lag hierbei auf der Frage, mit welchen Interventionen man das Glück beeinflussen könne.

 

Anders als in der Schule ist der Tag so aufgebaut, dass es über den Tag verteilt Kursschienen gibt, in denen sich jeder Kurs mit einer speziellen Thematik beschäftigt. Diese reichen von Astronomie über Faust bis hin zur Frage nach Gerechtigkeit und Grenzen. Zwischen diesen Kursschienen sind immer wieder Freiräume eingebaut, in denen so genannte KüAs, Kurs übergreifende Angebote, stattfinden. Frei gestaltet von den KursteilnehmernInnen umfasst das Angebot ein breites Spektrum von Volleyball, Debattieren, Zauberwürfellösen, Origami, Zeichnen, Chor, Rhetorik, Poetry Slam und vielem mehr. Die Akademie ist im Wesentlichen nach diesem Schema aufgebaut. Dazwischen gibt es dann noch Sportturniere, wo die einzelnen Kurse gegeneinander antreten. Auch Tanzbälle, Lagerfeuer und Nachtwanderungen gehören dazu. Ein besonderer Tag ist der Rotationstag. An diesem bekommt jeder Einblicke in die Kurse der anderen und deren bereits Erarbeitetem. Wir, die KursteilnehmerInnen, gestalteten eine Präsentation mit den Medien und Inhalten, die wir für geeignet erachteten, so dass eine große Vielfalt an Präsentationen entstand. Anschließend gaben uns die Kursleiter Feedback über unsere Vorträge, um unsere Vortragsweise weiter zu optimieren.

 

Aus persönlicher Sicht ist die Schülerakademie ein Ort, an dem sich sowohl am Mittagstisch als auch beim Billardspielen über aktuelle Problematiken unterhalten wird. Es ist ein Ort, an dem zusammen geforscht, diskutiert, gelacht und geweint wird.

 

Dieses Jahr bekam ich, Lennart Geiges aus dem Q.1-Jahrgang des gesellschaftlichen Profils Wirtschaft/Politik, die Möglichkeit, in die Welt der Schülerakademie einzutauchen. „Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt - Wie funktioniert Glück und Unglück im menschlichen Denken und Fühlen?“; dies war das Thema meines Studienmoduls in der Deutschen Schülerakademie in Torgelow. Gemeinsam erarbeitete der Kurs verschiedene Interpretationen von Glück und thematisierte in Form von Diskussionen und Gruppenaufgaben philosophische, neurologische und ökonomische Ansätze, um den Begriff des Glückes kontrastiert beleuchten zu können. Das Erstellen eines Stadtentwicklungsplanes für eine glückliche Stadt oder die Entwicklung der Glücks-App „hAPPy“ waren verschiedene Möglichkeiten, durch die wir die Faktoren für ein hohes Glücksniveau interaktiv herausfinden und tatsächlich anwenden konnten. Die Herausarbeitung eben solcher Projekte, inbegriffen der Arbeitsteilung und Koordination, waren eine exzellente Vorbereitung für das spätere Berufsleben. Wir haben gelernt, als Gruppe zu funktionieren, Stärken jedes Einzelnen effizient zu nutzen und unter Zeitdruck aus vielseitiger, englischsprachiger Fachliteratur die Kernaussagen herauszuarbeiten. Diese haben wir mit unseren eigenen Ideen komplementiert und anschließend durch gezielte Schulung in Rhetorik gelernt, unsere Ergebnisse möglichst attraktiv und überzeugend dem Kolloquium zu präsentieren.

 

Im Gegensatz zur Schule fanden solche Arbeitsformen tägliche Anwendung und ermöglichten uns, selbstständig und interaktiv Problematiken zu erforschen. Man kann sagen, dass die Arbeitsform in der Schülerakademie unsere kommunikativen, sozialen und selbstständigen Fähigkeiten erweitert hat und jeder Einzelne von uns dadurch gewachsen ist.

 

Seien es Studieninformationsgespräche mit den KursleiterInnen oder inspirierende Gespräche mit anderen KursteilnehmerInnen; für mich war es enorm hilfreich zur eigenen Zukunftsorientierung. Aus vollster Überzeugung kann ich sagen, dass diese Erfahrung für mich sehr prägend und wegweisend war und ich sehr dankbar bin, diese einmalige Zeit erlebt haben zu dürfen.

 

Wenn mich also wieder jemand fragt: „Schule in den Ferien, freiwillig?“; da kann ich nur sagen: „Immer wieder gerne!“

 

Lennart G., Q1.d