Momentaufnahme

Das Abitur, so ein A......., will uns doch tatsächlich die Theater AG wegnehmen. Nachdem uns versichert wurde, dass der „Milchwald“ das letzte Experiment sei und wir nächstes Jahr mal wieder eine schöne Komödie spielen, legte uns die AG-Leitung das Stück „Sofortige Erleuchtung inkl. Mehrwertsteuer“ von Andrew Carr vor. Es geht dabei um ein Wochenendseminar, auf dem die TeilnehmerInnen sich ihren Problemen stellen und ihr „Alpha“ akzeptieren sollen, so dass sie schließlich fast alle in den Fängen der Organisation landen. Wieder ein Experiment.

 

Nach sechs bzw. vier Jahren in der Theater AG dachten wir uns jetzt, dass wir auch mal unsere Meinung preisgeben: Theater-AG ist nicht einfach eine Aktiengesellschaft. Es ist so viel mehr als das. Es ist anlachen und auslachen. Es ist Augen auf und Augen zu. Es ist aufgepasst und abgelenkt. Es ist Arbeit und Anderes. Es ist Garderobe und Gammellook, Geduld, Gebrabbel und schließlich Gefühle und Gruppenschlachtruf.

 

Über die Jahre haben wir insgesamt 20 verschiedene Rollen gespielt. Allerdings in nur sechs Stücken. Für die Mathematiker unter Ihnen sind das im Durchschnitt 3,333 Rollen pro Stück.

Da wären zum Beispiel die schwangere Jungfrau, ein mürrischer, bärtiger, alter Bauer (der stirbt), eine lustige und eine zynische Ehefrau, eine Quasselstrippe, ein orgelnder Organist, die angsteinflößende Leiterin des Sozialamts, eine grunzende Nachbarin mit einer Vorliebe für Kekse und eine lästernde Nachbarin mit einer Vorliebe für spezielle Hüte, ein Fotograf und ein Touristenzwilling, eine vom Teufel besessene und eine naive Haushälterin, ein Mädchen (so heiß wie ein Toaster in einer walisischen Wollstrickjacke aus Argentinien), die besten Reiseführer aller Zeiten und schließlich die promiskuitive Seminarteilnehmerin und die diktatorisch, spirituelle Seminarleiterin.

 

Man kann also durchaus sagen, dass Abwechslung keine Seltenheit darstellt und Schizophrenie uns gar nicht so fern erscheint. Aber wenn man Teil der Theater-AG ist, dann verschreibt man sich dem Theater mit Leib und Seele, ob man will oder nicht. Die Stunden in der Aula übersteigen mit Abstand die im Klassenraum und, dass man in der Theater-AG ist, weiß sowieso jeder. Irgendwie sieht man immer aus, als hätte man nur drei Stunden geschlafen und würde sich nur von rohen Nudeln ernähren.

 

Eine Probe ist keine gute Probe ohne eine Sol de Capri de México in der Hand und gegebenenfalls einen Mund voll Fertigsalat von Penny. Wenn dann alle da sind, sollte die Probe theoretisch beginnen, allerdings geht erstmal das Gedrücke vorm Aufbau los. Irgendwie ist jede Probe einzigartig, auch wenn es gewisse Konstanten gibt, die man auch nicht missen möchte: Irgendjemand krault Pauls Kopf. Hannah (the real deal) interpretiert in einer Ecke kostenlos die unvergleichlich bezaubernde Aura von Käthi (the boss). Henni rennt wie der Windhund durch die Aula. Judith erklärt die Farbmarkierungen ihres Textbuchs und hält nach Leuten Ausschau, die mit ihr Text lernen (meistens die Alten und Schwachen der Gruppe). Die Wahrscheinlichkeit, einen wilden Techniker zu finden, der sich auf die Bühne verirrt hat, ist auch immer größer geworden. Zwischen den Szenen werden „Bibi und Tina“- Songs authentisch neu inszeniert. Lilli designed das Plakat fürs nächste Stück, Tara lernt Schwedisch-Vokabeln und Janni macht die Mathehausaufgaben ihrer gesamten Klasse. Dennis macht auf für ihn typisch hohem Niveau einen Scherz, der irgendwie nur von Basti und Lennart akzeptiert wird (die Rollen in diesem Satz lassen sich beliebig verschieben). Lisa isst ihr eigens zubereitetes Bio-Schweinegulasch mit zwei Kilo Nudelbeilage (wieso nicht?) und Mirka ist versunken in dem einen oder anderen Buch. Sie fragen sich vielleicht: Wird da auch Theater gespielt? – Wir finden tatsächlich hin und wieder die Zeit, die ein oder andere Szene auf die Bühne zu bringen, wie Sie hoffentlich gesehen haben oder an den Bildern sehen.

 

Und denjenigen, die in der 8. bis 12. Klasse unserer Schule sind, sei noch Folgendes gesagt: Macht mit, es hat unser Leben verändert und es wird auch euer Leben verändern! Wir haben die Theater-AG voll und ganz erfahren und schreiten nun mit einem erleuchteten Hirn aus unserer Aula (unserem Universum der letzten Jahre).

 

Nike H., Kl. Q2.h und Karolin S., Kl. Q2.k