Kontraste

Ich, Schülerin aus dem ästhetischen Profil des Q1-Jahrgangs, habe mir das Unternehmen Yamaha Music in Rellingen ausgesucht, das als Hersteller von verschiedensten Musikinstrumenten und HiFi-Zubehör bekannt ist, weil ich mich selbst auch für Musik interessiere und gerne einmal hinter die Kulissen eines solchen großen Unternehmens schauen wollte, das Marktführer in vielen Bereichen ist und global agiert. Dazu muss man sagen, ich während meines Praktikums nicht direkt mit den Instrumenten zu tun hatte, zumal die Betriebsstelle in Rellingen die Ware nur lagert und nicht produziert, sondern hauptsächlich „Büro-Arbeit“ erledigen durfte, was sich aber als interessanter herausstellte, als es sich erst einmal anhört. Im Vergleich zum Schulalltag war in den zwei Wochen natürlich Einiges anders. Zum einen gab es ganz andere Arbeitszeiten als Unterricht in der Schule. Ich beispielsweise sollte erst um neun Uhr morgens am Arbeitsplatz sein, hatte dann aber einen vollen Acht-Stunden-Tag bis meistens um 17 Uhr. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen, aber nach der ersten Woche war das bereits Routine.

 

Natürlich hat man in dem jeweiligen Betrieb ganz andere Dinge als in der Schule gemacht und gelernt; ich saß wie bereits angesprochen die meiste Zeit im Büro am Computer und habe z.B. Daten in Tabellen eingetippt, Aufträge erfasst und Rechnungen überprüft, was mir aber meistens viel Spaß gemacht hat und die Aufgaben im Wesentlichen abwechslungsreich waren. Jedoch gab es auch zeitliche Phasen, in denen es nichts zu tun gab, was aber völlig normal ist; darauf sollte man als Praktikant gewappnet sein.

Insgesamt hat mir das Praktikum aber sehr gut gefallen, weil ich viele neue, nicht nur betriebliche, sondern auch soziale Eindrücke gesammelt habe und mir diese zwei Wochen eine bessere Vorstellung vom Berufsleben, speziell in einem großen Wirtschaftsunternehmen, ermöglicht haben. Die Mitarbeiter dort haben mich wirklich herzlich empfangen und sich sehr freundlich um mich gekümmert. Das Praktikum war zwar ein Kontrastprogramm zum Schulalltag, aber der Einblick hat sich meiner Meinung nach auf jeden Fall gelohnt!   

                                                                                                                      

Leonie R., Klasse Q1.e

Perfektionismus, Detailverliebtheit und vor allem Leidenschaft, dies sind die Eigenschaften, die Torsten Köhler, Gründer und Inhaber des Holzblasinstrumentenstudios in Pinneberg seinem Beruf des Holzblasinstrumentenmachermeisters zu- schreibt. Das liegt an den individuellen Instrumenten und ihren Besitzern und ist einer der Hauptgründe, warum ein kleiner Viermannbetrieb Kundschaft aus aller Welt empfängt, da die Instrumente nach den höchstmöglichen Maßstäben repariert, aufgewertet und gepflegt werden. Während des zweiwöchigen Wirtschaftspraktikums hatte ich die Möglichkeit die folgenden (und viele weitere) Einblicke in diesen außergewöhnlichen Beruf zu erlangen.

 

Der Regen prasselte sanft auf den Bahnsteig in Pinneberg. Und so verließ ich mit vielen anderen und der Kapuze bis in die Stirn gezogen, die Bahn und machte mich auf meinen zwanzigminütigen Weg zur Freidenstraße. Doch dem schlechten Wetter und der grauen Atmosphäre der Januarzeit zum Trotz, schien mir schon von weitem ein kleines orangenes Häuschen entgegen, in dem ich die nächsten zwei Wochen meines Praktikums verbringen würde. 

 

Nach dem ich stets mit einem herzlichen Lächeln und der Frage, wie es mir an so einem schönen Tag ginge, begrüßt wurde, zog ich mir eine Schürze über und setzte mich an einen der vier Werktische, bestückt mit allerlei Werkzeugen, mit denen ich anfangs nur recht wenig anfangen konnte. Das änderte sich jedoch schnell, als mir der Korpus eines Baritonsaxophones in die Hand gedrückt beziehungsweise in den Schoß gelegt wurde und ich „einfach mal machen“ sollte. Das ist nämlich die Aufgabe, mit der alles beginnt. Einfach machen. Testen, ausprobieren, Schwachstellen des Instrumentes und der damit verbundenen Mechanik finden und dann, im zweiten Schritt, reparieren und optimieren. Also saß ich dort in der kleinen Werkstatt, die direkt im Eingangsbereich des Betriebs zu finden war, und schraubte und lötete und spielte und verzweifelte.

 

Ich spiele schon seit einigen Jahren Saxophonen und ging bis zu jenem Januartag davon aus, mich auch einigermaßen gut mit meinen Instrumenten, Holzblasinstrumenten, auszukennen. Leider war dem nicht so, denn neben dem bloßen Spielen und Klappendrücken gehört noch viel mehr dazu. Bloßes Interesse, vermeintliche Leidenschaft waren nichts im Vergleich zu dem, was einem in diesem Beruf abverlangt wurde. Diese Faszination, die in Präzision mündet und mit der jede einzelne Eigenschaft des Instrumentes untersucht wird, setzt voraus, dass man jedes der Holzblasinstrumente (u.a. Saxophon, Klarinette, Querflöte, Oboe, Fagott) wie seine Westentasche kennt und beherrscht. Und das taten der Holzblasinstrumentenmachermeister Torsten Köhler und die Auszubildende Ines Wolfgram definitiv! Durch die Offenheit, mit der sie nicht nur Kundschaft in das Geschehen ihrer Arbeit einbezogen, sondern auch mich wie gesagt „einfach (mit)machen“ ließen, lernte ich nicht nur das Werkzeug zu beherrschen, sondern bekam vor allem auch ein Gefühl für das Instrument, was mir im Nachhinein neben der positiven Erfahrung mit den herzlichen Mitarbeitern, als zentrale Errungenschaft aus dem Praktikum geblieben ist.

 

Nach ein paar auseinandergeschraubten Querflöten, eingeklebten Klappenpolstern und natürlich zahlreichen Erfahrungen endete mein Praktikum nach acht Stunden täglich um 18 Uhr. Ich legte die mit Holzspänen und Kleber übersäte Schürze für den nächsten Tag über meinen Stuhl, wusch mir meine malträtierten (Ja, für jemanden der nicht täglich handwerklich unterwegs ist, war es schon anstrengend!) Hände und verabschiedete mich, bevor ich mich dann auf den Weg zum Bahnhof machte und Tag für Tag vor meinem inneren Auge revuepassieren ließ.

 

Ich lernte die handwerklichen Basics, vieles über Holzblasinstrumente und ein nettes Miteinander. Abschließend lässt sich somit für mich fragen: Was will man in einem Praktikum mehr?

 

Paula L., Klasse Q1.e