Kaffee und Kalkulationen

109 SchülerInnen sechzehn Tage lang zusammen auf einer rieseigen Schlossanlage irgendwo im Nirgendwo Mecklenburg-Vorpommerns, mitten in den Ferien rund 50 Stunden knallharte Kursarbeit und mit einem Sportprogramm, das sich gewaschen hat. Das kann ja nur gut gehen, mögen nun die meisten denken. Und ja, es konnte nur gut gehen. Zwar sprengte der Kaffeekonsum alle Kalkulationen, doch ebenso taten dies die Anzahl an Partys, Tanzabenden und Werwolfspielrunden um Mitternacht. Keiner weiß, wie lange wir das morgendliche Plenum noch im wachen Zustand hätten überstehen können oder die Badminton- und Volleyballspiele, die sich nicht selten bis in die frühen Morgenstunden zogen. Vielleicht hätte uns dann nicht einmal eine weitere hitzige Diskussion in den Kursen über Amerikas NATO-Einsätze im Nahen Osten aufwecken können. Aber Fakt ist, dass die sechzehn Tage die perfekte Länge waren und alle unsere Erwartungen übertrafen.

Die Deutsche Schülerakademie, in den Ferien lernen – zu Beginn waren wir zugegebenermaßen ein wenig skeptisch. Befürchtet wurde von Seiten der SchülerInnen, dass sich alles zu einem Strebertreff entwickeln würde und dass unsere Feriengehirne schon nach der ersten Kurseinheit explodieren würden. Aber spätestens nachdem die sogenannten „Völkerrechtler“ (SchülerInnen aus dem Kurs "Antikes und Modernes Völkerrecht im Vergleich") beim Volleyballturnier mit dem Schlachtruf „Das ist Sparta!“ auf das Feld zogen, war diese Befürchtung vergessen.

Es waren nicht nur gemeinsame Interessen und die Freizeitbeschäftigungen, die uns zusammenschweißten, sondern auch die Tatsache, dass wir alle – bunt gemischt, wie wir waren – hier waren, um Spaß zu haben. Während unserer zwei Wochen, in der deutschland- und weltweite Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen wurden, entwickelte sich eine einmalige Gemeinschaft, die sogar eine Art Geheimsprache entwickelte. Wer würde schon erraten können, um was für eine Spezies es sich bei den AKLs oder den TLs handeln könnte? Oder was es mit den geheimnisvollen KüAs auf sich hat?

 

Im Laufe der Zeit kam es zu schier unglaubliche KüAs (kursübergreifende Aktivitäten) die  man sich unter normalen Umständen nicht im Traum hätte vorstellen. Wo sonst, wenn nicht bei einer Veranstaltung im Auftrage von Bildung und Begabung, bekäme man ansonsten die Gelegenheit, eine Hexametersierung von Heavy Metal Songs durchzuführen? Oder einen Punktschrift-Crashkurs mitzumachen? Das kleine Streberherz, das in uns allen steckt, flackerte zumindest kurz auf – wenn auch nicht während der nächtelangen Partys und den unzähligen Joggingrunden um den anliegenden See neben dem Schloss.

Nichtsdestotrotz konnte man die Fluchsalven, die nach der Bekanntmachung der Deadline zur Abgabe unserer wissenschaftlichen Texte zu einem Thema unserer Wahl aufkamen, fast schon unchristlich nennen. Auch als zusätzlich noch ein Computervirus der allgemeinen Heiterkeit einen leichten Dämpfer gab, schienen die Anzahl Verfluchungen in einem Satz die Laune deutlich zu verbessern. In Wahrheit freute man sich nämlich schon auf die nächste Bootstour in unserer Freizeit oder die kommende leidenschaftliche Diskussion im Kurs, deren leichte Anti-Amerika-Tendez manchmal ein wenig aus dem Ruder lief. Groß waren die Tränen, als man sich, nachdem wir zwei Wochen lang quasi aufeinander gelebt hatten, verabschieden musste und alle 109 in ihre Heimatstädte überall auf der Welt zurückkehren mussten. Denn schon in dem Moment des Abschieds war uns sehr wohl bewusst, dass wie so etwas nie wieder erleben würden. Wir waren alle zusammen ein Stück weiter gewachsen, um nicht nur dem Leben die Stirn bieten zu können.

 

Kelly B., Kl. Q1.a