Spannende Erfahrungen

Mit vielen Fragen sind wir an das Thema herangegangen. Wie funktioniert das? Wie finde ich meine Mitspieler? Kann man überhaupt Zweikämpfe führen, ohne sich zu verletzen? Trau ich mir zu, schnell zu laufen, ohne auch nur überhaupt irgendetwas zu sehen? Woher weiß ich, wo denn überhaupt das Tor steht?

 

Jeder hat doch schon einmal die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, sich nachts im Dunkeln in seinem eigenen Zimmer zu orientieren, um nicht zu stolpern. Das Vorantasten ist dabei eher vorsichtig und die Vorstellung, so Sport zu treiben, wirft sehr viele Fragen auf!

 

Am 30. Mai konnten wir am LMG diesbezüglich so manche Frage klären und ein kleines bisschen schlauer werden! Wolf Schmidt, der Bundesligatrainer der BlindenfußballerInnen des FC St. Pauli, kam zu uns, um uns im Rahmen einer Fortbildung zum Thema Blindenfußball so manches zu erklären.

 

Zunächst konnten wir eine Menge über die Theorie und den Alltag der Sportart in Deutschland erfahren. Nachdem wir selbständig einige Übungen entworfen hatten, ging es in die Praxis. Mit einfachen Übungen mussten alle zehn Teilnehmer versuchen sich im Raum zu orientieren, Sicherheit zu gewinnen und unter der Dunkelbrille (mit integriertem Kopfschutz) auch mal etwas schneller zu laufen. Dann ging es endlich an die Fußbälle. Durch kleine Metallplättchen im Inneren geben diese ein permanentes Geräusch von sich, welches stärker wird, wenn der Ball rollt oder springt. Erste Passübungen und Dribblings wurden so erfolgreich ausprobiert. Spaß gemacht haben vor allem die Zweikampfübungen. Eine Person ohne Dunkelbrille wirft den Ball geräuschvoll in die Nähe der Spieler, die den Ball anschließend erobern und zurückspielen müssen. Der Werfer kann seine Position wechseln, muss dabei aber immer deutlich ein Signal geben, damit die Spieler wissen, wo sie hin spielen müssen! Damit sich die Spieler nicht verletzen, rufen sie „Voy“, wenn sie sich dem Ball oder dem Gegner nähern.

 

Im letzten Teil der Fortbildung konnten wir ein richtiges Spiel durchführen. Dabei gab es neben den Feldspielern pro Mannschaft einen sehenden Torwart, einen Trainer, der seine Spieler akustisch positioniert und lenkt, genauso wie die „Hintertor-Guides“, die das Tor akustisch „sichtbar“ machen und den Spielern somit zur Orientierung dienen. Der Schiedsrichter durfte natürlich auch nicht fehlen.

 

So kam es am Ende zu spannenden Abschlussspielen, die alles beinhalteten, was man sich vorstellen kann. So konnte zum Beispiel Herr Rohr spektakulär auf der Torlinie klären und dem LMG Lehrerteam das 1:1 sichern. Am Ende der Fortbildung waren wir alle begeistert und voller Vorfreude und Tatendrang, das Thema beispielsweise im Rahmen einer AG anzubieten. Es können dabei wirklich alle mitspielen, denn selbst wenn man fußballerisch nicht der beste Spieler ist, aber gut darin ist, sich ohne Sicht zu orientieren, kann man einiges erreichen!

 

Wenn ihr noch Fragen habt – Perfekt! Kommt und probiert es aus, dann können wir schon bald ein gemeinsames Training an der Schule gestalten!

 

M. Mascher